Unsichtbar im toten Winkel

Städtische Radverkehrsplaner ermuntern zum defensiven Fahren / Aufkleber an Lkw warnen in Augenhöhe / Berufkraftfahrerverband, Stadtwerke und AWM ziehen mit
Münster (SMS) Ein zwölfjähriger Junge geriet im Juli an der Weseler Straße unter die Räder eines abbiegenden Lkw und starb. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres haben sich bereits 123 Abbiegeunfälle ereignet, bei denen 97 weitere Radler verletzt wurden – eine Frau ebenfalls tödlich. Im Verbund mit der Ordnungspartnerschaft Verkehrsunfallprävention möchten die städtischen Verkehrsplaner mit der Aktion „Vorsicht, toter Winkel!“ noch deutlicher für die Risiken beim Abbiegen sensibilisieren.
„Vermutlich hat der Junge sich im toten Winkel des Lkw befunden, das heißt dort, wo ihn der Fahrer trotz des Rückspiegels nicht sehen konnte“, sagt Stephan Böhme vom Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Verkehrsplanung. Mit Aufklebern für Lkw und Busse sowie Plakaten wollen die Verkehrsplaner vor allem Radfahrer in Münster auf die Gefahren dieses Phänomens aufmerksam machen.
Der klassische Fall: Die Ampel springt auf Grün, Lkw und Radler fahren an, der Radfahrer will geradeaus, der Lkw rechts abbiegen. „In dieser Situation kommt es oft zum Konflikt, da der Lkw-Lenker den anderen Verkehrsteilnehmer im toten Winkel nicht wahrnimmt und im schlimmsten Fall anfährt“, erklärt Stephan Böhme. Oft sei Radfahrern, Fußgängern oder Inline-Skatern gar nicht bewusst, welche Gefahr droht, wenn neben ihnen stehende Großfahrzeuge abbiegen wollen. Zumal ihnen nicht klar sei, wann sie sich im toten Winkel befinden. „Am sichersten ist, der Radfahrer bleibt hinter dem Fahrzeug – da, wo er durch die Rückspiegel gut zu sehen ist“, sagt der Verkehrsexperte. Darüber hinaus sei es ratsam, Blickkontakt zum Fahrzeuglenker aufzunehmen. „Denn wenn ich ihn sehen kann, kann auch er mich sehen.“
Mit Aufklebern, die vor dem toten Winkel warnen, soll die Gefahr für Leib und Leben der Leezenritter zukünftig entschärft werden. „Sicher fahre ich nur dahinter“, lautet der Zusatz auf den Aufklebern, die demnächst auf möglichst vielen Lkw und Bussen hinten rechts – in Augenhöhe der Radler – pappen werden. Die Abfallwirtschaftsbetriebe und die Stadtwerke haben neben dem städtischen Tiefbauamt bereits zugesagt, ihre Fahrzeuge mit den Aufklebern auszurüsten. Und auch der Verband der deutschen Berufskraftfahrer ist mit im Boot. Die Verbandsvorsitzende Jutta Kaiser-Schröder begrüßt die Aktion. „Für alle, die am Lenkrad Geld verdienen, wäre es eine enorme Entlastung, wenn die Radler sich daran hielten. Jeder Unfall ist einer zuviel. Die Radler sind oft sehr schnell und schwer zu entdecken, aber sie haben keine Knautschzone.“
Die lebensrettenden Aufkleber gibt es im Planungsamt bei Benno Willmeroth, Tel. 4 92-61 61. Dort können Interessierte sich auch über die Aktion informieren.